Badische Neueste Nachrichten, 7.1.2004
Gezupfte Romantik
Karlsruher CD-Produktionen (60): Das Duo Tewes/Bagger
Sie können bereits eine regelrechte Erfolgsstory schreiben: Als Duo haben Boris Björn Bagger, der Karlsruher Gitarrist und Dozent der Musikhochschule, und Detlef Tewes, gefragter Spitzenkünstler auf der
Mandoline, bereits in zahlreichen Konzerten und mit der pfiffigen CD „Oh, that's mandolin" Furore gemacht. Den dort beabsichtigten „Aha-Effekt" dürften beide Künstler jetzt auch mit der Scheibe „Romantic Mandolin Moments"
(hänssler classic CD 98.453) bei ihrem Publikum auslösen: Wer hätte gedacht, dass beide Instrumente nicht nur gezupfter Intimität, sondern auch so animierender Brillanz huldigen können.
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Wie der Titel bereits andeutet, geht es hier nicht nur um Feinsinniges für Kenner, sondern um eine ausgesprochen populäre, doch nicht minder anspruchsvolle Mixtur. Sie reicht vom kostbaren Klassiker Paganinis, der übrigens selbst hingebungsvoll auch Gitarre und Mandoline spielte, bis zur animierenden Halbwelt Astor Piazzollas, des Hexenmeisters des argentinischen Tangos. |
Zum Teil haben Tewes und Bagger einige Stücke selbst arrangiert, und so zeugt auch ihre geschickte Kunst der Bearbeitung von fabelhafter Saitenkompetenz. Spielfreudig und gewitzt holen die Künstler neben Piazzollas atmosphärisch dichter „Histoire du Tango" und einer kecken Paganini-Sonate manche Perle aus dem Schattenreich unbekannterer Meister hervor. Enrico Marucelli, vertreten mit einem Walzer und dem stimulierenden „Capriccio Zingaresco", gehört ebenso dazu wie Carlo Munier, dessen Concerto op. 163 so mitreißend dargeboten wird wie eine Reihe von Variationen. Launige Preziosen haben die Esten Valdo Preema, Raimo Kangro und Lepo Sumera ihren zupfenden Freunden zugeeignet. Auch sie markieren neben einer Kantilene, die Kodäly einem Bach-Präludium aufsetzte, und „My way" die herrlichen Saitensprünge dieser CD.
Als bestens vertrautes und auf spitzige Klangdialoge eingeschworenes Duo bieten Detlef Tewes und Boris Björn Bagger mit ihren romantischen Momenten den rechten Stoff für einen heimeligen Musikabend, angereichert durch Spielkunst vom Feinsten und Saitenzauber, der süchtig macht.
Ulrich Hartmann